Kapitel 1: DER ORT


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In der DDR galt die Iskra-Gedenkstätte in Leipzig-Probstheida als erste museale Dauerausstellung zu Lenin außerhalb der Sowjetunion. Anlass war die Vermutung, dass um 1900 in diesem Haus die erste Ausgabe der sozialistischen Exilzeitung Iskra gedruckt worden sei.

In diesem Kapitel gehen wir der Frage nach, wie aus einer Vermutung ein Gedenkort wird. Wie kommt es zu der Annahme, dass die Iskra in Leipzig gedruckt wurde – und welche Belege gibt es dafür wirklich? Mit welchen Mitteln versuchen die Verantwortlichen, eine authentische Gedenkstätte zu schaffen? Und was sagt das über den Umgang der DDR mit Geschichte.

Die Historikerin Dr. Johanner Sänger hat dafür einen Begriff: Bestellte Erinnerung.

Wie veränderte sich der Ort im Laufe der Jahre?


Ton

  • Schallfolie mit dem Iskra-Lied, Großes Rundfunkorchester Leipzig. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Inv.-Nr. ADS 6426.
  • Remix der Schallfolie: Thomas Teichmann, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, 2026
  • Ulbricht, Walter: Ausschnitte aus der Rede vom 2. November 1967 auf der Festveranstaltung zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, vor der Abreise der DDR-Partei- und Regierungsdelegation in die Sowjetunion. Aus: BArch (Bundesarchiv), TONY 1/2735.

Gespräche und Veranstaltungen

  • Diskussionsveranstaltung im Alten Rathaus Leipzig, 3. Dezember 2025, im Rahmen des Projekts Bestellte Erinnerung.
  • Interview mit Dr. Johanna Sänger, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, 13. Juni 2025.

Archivmaterial

  • Ausstellungsbroschüre der Iskra-Gedenkstätte, 1981. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Signatur I R 754-1a/b.
  • Raddatz, Karl: Bericht vom 21. März 1953. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Karton 880.
  • Brief von Schülerinnen und Schülern aus Sibirien, UdSSR, 12. April 1970. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Karton 877. Zitiert nach: Bartsch / Grimberg 2014.
  • Schreiben des Marx-Engels-Lenin-Instituts, Berlin, 17. August 1955. Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21123 – SED-Bezirksleitung Leipzig, Inv.-Nr. IV/2/09/04/547, Bl. 287.
  • Protokoll der Besprechung zur Schaffung eines Lenin-Museums in Leipzig, 25. August 1955. Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21123 – SED-Bezirksleitung Leipzig, Inv.-Nr. IV/2/09/04/547, Bl. 284.
  • Miller, Sepp: Brief vom 13. Dezember 1955. Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Karton 749. Zitiert nach: Bartsch / Grimberg 2014.

Literatur

  • Bartsch, Joachim / Grimberg, Timo: Iskra. Roman frei nach Tatsachen. Institut für Buchkunst, Leipzig, 2014.
  • Krupskaja, Nadežda Konstantinovna: Erinnerungen an Lenin. Dietz Verlag, Berlin, 1960.
  • Internationale Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien, Moskau 1968. Dietz Verlag, Berlin, 1969.

Presse

  • Thoms, Liselotte / Mothes, Gerhard: Lenin in Leipzig. In: Neues Deutschland, 22. April 1950, S. 6.
  • Kniestedt, Frank: Erfolgreiche Suche nach der „Iskra“-Druckerei. In: Neues Deutschland, 2./3. Mai 1981, S. 13.
  • Ehrenplatz für „Iskra“-Druckerei im Lenin-Museum. In: Neues Deutschland, 6. November 1967, S. 3.

  • Walter Ulbricht (1893–1973) war von 1949 bis 1971 der mächtigste Politiker der DDR. Er wurde in Leipzig geboren, wuchs in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus auf und erlernte den Beruf des Möbeltischlers. Seine politische Laufbahn führte ihn über die SPD zur KPD und schließlich an die Spitze der SED. Als SED-Parteichef schaltete er sich persönlich in die Suche nach Spuren der Arbeiterbewegung in Leipzig ein – mit großem Interesse daran, dass seiner Geburtsstadt eine bedeutende Rolle in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung zugeschrieben wurde. Es liegt nahe, dass dieses persönliche Engagement ein wesentlicher Grund dafür war, dass die Iskra-Gedenkstätte trotz ungeklärter Beweislage in Leipzig-Probstheida eingerichtet wurde.

Titelbild: Postkarte Iskra-Gedenkstätte mit Austellungsraum, Gedenkstein, Druckereiraum, Schnelldruckerpresse – Stadtgeschichtliches Museum, Inv.-Nr. PK 4769


„Die Iskra und wir“ (III.), Pionierfilmstudio Iskra, um 1970, ohne Ton – Sächsisches Staatsarchiv Leipzig | AV 22046-137


„Lenin redigiert die Iskra“, Gemälde von Walter Münze, 1968 | Stadtgeschichtliches Museum – Inv.-Nr. K/30/1